Der Unterschied zwischen stillem Wasser und einem Rockkonzert

Recherchiert man im WWW über die Frage, ob stilles Wasser oder mit Kohlensäure versetzt, sinnvoller ist, so stößt man schon einmal auf Aussagen wie:

Die Kohlensäure aktiviert die Geschmacksknospen. Das führt wiederum dazu, dass man auch die leisesten Geschmacksnuancen schmeckt.

 

Ob es wohl ein Zufall ist, dass eine solche Aussage von einem Hersteller eines Sprudelautomatens kommt?

 

Jeder, der schon einmal Sprudelwasser getrunken hat, weiß, dass das Gas auf der Zunge jeglichen Wassergeschmack völlig neutralisiert.

 

Bei mit Kohlensäure versetztem Wasser sind kaum noch Geschmacksunterschiede festzustellen. Die scheinbare Frische entsteht eher durch eine subjektive Täuschung, die durch das angeblich frische Blubbern und Zischen verursacht wird. Die Werbeindustrie hat hier wirklich gute Arbeit geleistet.

 

Wer es nicht glaubt, möge einen einfachen Test durchführen. Besorgen Sie sich eine Flasche Sprudelwasser. Entfernen Sie nun, durch kräftiges Schütteln das Gas aus dem Ges… (ich habe den Begriff vergessen). Und nun schmecken Sie.

 

Das Experiment sollte möglichst neben einem Waschbecken oder in der freien Natur stattfinden, da es sein könnte, dass Sie die entstandene Brühe nicht mehr mit ihren bisher erfolgreich getäuschten Geschmacksnerven in Verbindung und möglichst schnell nach außen befördern wollen.

 

Da, wo ich herkomme, nennt man solche Flüssigkeit: "Plörre". Saßen sie schon einmal in stiller Natur? Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, da es so etwas bei uns kaum noch gibt. Es gibt kaum einen Ort, an dem die Stille nicht durch irgenein künstlich erzeugtes Geräusch übertönt wird.

 

Natürliches, stilles Quellwasser mit Kohlensäure zu versetzen ist in etwa, wie der Besuch eines Rockkonzerts an einem stillen See. Bringt Sie das um? Nein. Macht das krank? Solange Sie Gehörschutz  tragen, nicht. Ist es schön? Darüber lässt sich streiten. Ist es Stress? JA!

 

Stilles Wasser, welches nicht mit »lauter Kohlensäure« übertüncht wird, hat es da schon wesentlich schwerer. Auch dieses muss natürlich, wenn in Flaschen abgefüllt, vor Verkeimung geschützt werden. In vielen Fällen geschieht das mit Hilfe von Ozon. Spatzen pfeifen von den Dächern, dass auch dieses Gas der Gesundheit nicht besonders zuträglich sein soll. Doch was soll`s? Diese kleinen Mengen werden uns nicht umbringen. Es ist ja bekanntlich nie die einzelne Zutat das Thema. Erst die Gesamtmenge aus vielen kleinen »Unbedenklichkeiten« bringt das Fass dann irgendwann am Ende zum überlaufen.

 

Übrigens wird magen- und darmempfindlichen Personen ebenfalls von der zugesetzten Geschmacksverbesserung abgeraten.

 

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